ChatGPT als Helfer bei Brettspielen – so macht die KI das Spielen besser
Wir saßen neulich beisammen und keiner hatte Lust, die Punkte bei „Endeavor - die Tiefsee“ im Kopf zusammen zu rechnen. Also holte ich mein Handy raus, wollte erst alles in den Taschenrechner tippen, doch da fiel mir ein, dass ich das doch ChatGPT (oder andere vergleichbare LLMs) machen lassen könnte...
Ich machte ein Foto der Liste, tippte ein hastiges „Rechne die Spalten jeweils zusammen“ und schon hatte ich die Summen aller vier Personen. Es war noch ein Fehler drin, was aber an der unsauberen Schrift lag. Wir wiederholten das dann bei "Castle Combo" (wobei wir auf die Handschrift achteten) und dann funktionierte es perfekt. Natürlich dauert es nicht lang, ein paar Zahlen zu addieren, bequem ist es aber schon!
ChatGPT hat viele Funktionen, die oft nur von der Fantasie des Nutzers abhängig sind. Neben vielen unsinnigen Anwendungsgebieten, kann der kleine Helfer aber tatsächlich auch beim Brettspielen unterstützen. Also dachte ich nach und fand schnell noch ein paar Einsatzgebiete.
Punktezahl „Deluxe“
Meinen ersten schludrigen Prompt kann ich aber natürlich nicht ernsthaft empfehlen. Viel sinnvoller ist es zum Beispiel Folgendes zu schreiben: „Rechne diese Wertung zusammen und sortiere nach Platzierung“. Dann ist die Rangfolge auch gleich geklärt.
Spielaufbau
Wer kennt es nicht, die Spielregeln sind noch vage im Kopf von der letzten Partie, aber den Spielaufbau hat man nicht mehr richtig im Kopf. Kein Problem, dann kann man ChatGPT eine entsprechende kurze Liste erstellen lassen, die wesentlich kompakter ist als die Anleitung. Es ist auch möglich sich eine Checkliste als Grafik oder PDF erstellen zu lassen, die dann ausgedruckt in die Box wandert. Dann ist das Setup auch nach Monaten spielerisch machbar und wenn die Liste frisch nach dem ersten Spielen erstellt wird, kann sie auch direkt auf Fehler geprüft werden. Wer den folgenden Prompt benutzt, kann das Setup sogar an die Anzahl der Mitspielenden anpassen: „Erstelle mir eine Setup-Checkliste für [Spiel] mit [Spielendenzahl].“
Tipps vor der ersten Partie
Wer ein Spiel möglichst optimal spielen will, kann sich mit dem Prompt „Welche Taktik ist beim Spiel XY besonders erfolgsversprechend?“ schon vorab einige sinnvolle Tipps anzeigen lassen. Ich hatte mir am Beispiel von „Castle Combo“ Tipps geben lassen und tatsächlich wurde vom „Thinking-Modell“ also dem Modell, das sich besonders anstrengt, als erstes die Taktik genannt, die mich zuletzt zum Sieg geführt hatte.
Das ist bemerkenswert; die Tipps können helfen, neue Spiele direkt besser spielen zu können, sofern am Spieltisch dann die Gegebenheiten da sind, die Taktik auch umsetzen zu können. Der Faktor Glück (der bei Castle Combo auch ein Aspekt ist) kann natürlich nicht dazu führen, automatisch gewinnen zu können.
Zudem muss bedacht werden, dass die Tipps nur so gut sein können wie die Quellen, die die KI gefüttert haben.
Grafik von ChatGPT erstellt.
Spielerhilfen erstellen lassen
Viele Spiele haben mittlerweile Spielerhilfen als Service, oft fehlen diese aber noch immer. Genau da kann Chat GPT helfen, denn hier lassen sich vom „Thinking Modell“ brauchbare Zusammenfassungen erstellen. Wer etwas mehr Arbeit reinsteckt, kann dann sogar noch das Design der kompakten Regelübersicht anpassen lassen, ausdrucken und dem Spiel beilegen. Auch hier empfiehlt es sich, dies nach einer Partie zu machen, wenn alles frisch im Kopf ist und die Zusammenfassung auf Korrektheit geprüft werden kann.
Hausregeln dokumentieren
Wenn sich Hausregeln etabliert haben, die ein Spiel für euch besser machen, können diese in der Spielerhilfe als solche ergänzt werden. Einfach die Regeln einmal eingeben und zur Übersicht ergänzen lassen. Dann vergesst ihr sie durch Ausdrucken und in die Box legen auch nicht mehr nach Jahren.
Häufige Fehler vermeiden
Wer kennt es nicht: ein Spiel wird einmal erklärt und dann gespielt. Wurde etwas falsch verstanden und dann falsch gespielt, bleibt es, wenn es nicht erkannt wird, ein Fehler, der im Extremfall dazu führt, dass ein Spiel nicht richtig funktioniert. Erfahrene Spielende haben zwar ein Gespür dafür, wenn sich etwas „zu mächtig“ anfühlt, als das es regelkonform ist, aber das muss nicht immer so sein. So kann durch kurzes Fragen der KI vielleicht die nächste Stunde deutlich unterhaltsamer oder fairer werden, indem die typischen Fehler eines Spiels vermieden werden.
Fazit
Es ist – wie zu erwarten – immer zu überprüfen, was das Large Language Model ausspuckt. In den von uns ausprobierten Parametern war das Ergebnis meistens ok bis voll zufriedenstellend. Es ist aber sehr hilfreich, das Spiel tatsächlich gerade gespielt zu haben, um die Qualität zu prüfen. Zudem würde ich die Anfragen nur mit einem „Thinking -Modell“ machen, um sicherzustellen, dass die Infos wirklich recherchiert wurden und keine Halluzination des Rechenzentrums sind.
Eure Meinung!
Falls ihr auch schon Erfahrung habt mit der Nutzung von ChatGPT im Kontext Brettspiele, wenn ihr durch den Beitrag Ideen habt, wie sich das Tool noch nutzen lassen kann (oder auch andere KI-Tools), lasst es uns gerne per Social-Media oder Discord wissen. Haltet ihr gar nichts von KI oder meint ihr, dass der Einsatz stellenweise durchaus sinnvoll sein kann?


