Vom zweiten Weltkrieg ins 23. Jahrhundert – unser erster Eindruck zum neuen Undaunted
Undaunted 2200: Kallisto ist ein kompetitives, Strategiespiel aus der Undaunted-Reihe von den Autoren Trevor Benjamin und David Thompson, das Deck-Building-Elemente mit taktischen Gefechten verbindet. Zwei Personen (oder vier in Teams) treten gegeneinander an, jeder kontrolliert eine Seite mit eigenen Decks, um Missionen zu erfüllen, wobei der Sieg durch das Erreichen spezifischer Missionsziele errungen wird. Nach den Weltkriegs-Settings der vorherigen Undaunted-Spiele ist Kallisto nun in eine SciFi-Welt angesiedelt und bietet neben menschlichen Einheiten nun auch Mechs.
Die englische Version erschien bereit vergangenes Jahr bei Osprey Games, die deutsche kam kürzlich beim Grimspire Verlag heraus. Im Vergleich zu den Vorgängern, wie bspw. Undaunted: Normandy oder Stalingrad ist diesmal auch ein Solo-Modus mit dabei.
Das bietet das Spiel
Das Spiel ist szenariobasiert aufgebaut: Jede Partie beginnt mit einem festgelegten Aufbau aus Missionstafel, Tokens und einem Startdeck einer der beiden Fraktionen. Die Spielenden entscheiden sich zu Beginn entweder für die Söldner des Industriekonsortiums, das die Mondbasis Kallisto finanziert hat, oder den nun bewaffneten Verband der Bergleute, die dort arbeiten.
Im Kern besteht das Spiel aus zwei zentralen Mechanismen: Deck-Building und taktische Begegnungen. Die Spielenden ziehen Karten, um Aktionen, Bewegungen und Kämpfe auszuführen, um ihre Ziele zu erreichen. Gegnerische Einheiten erscheinen als Marker auf dem Spielplan, und Kämpfe finden rundenweise statt, wobei Positionierung eine zentrale Rolle spielt. Da das Spiel kompetitiv ist, liegt der Fokus auf dem Erreichen individueller Missionsziele und der Kontrolle über das Spielfeld und die Aktionen des Gegners.
Meinung von Daniel
Bisher hatte ich nicht das Vergnügen, einen Teil von „Undaunted“ zu spielen, dabei mag ich derlei Spiele gerne und hatte schon viele Genrevertreter auf dem Tisch. Nun habe ich ausgerechnet mit dem SciFi-Szenario begonnen. Tatsächlich hat sich meine Befürchtung nicht bestätigt, dass es bei „Undaunted 2200: Kallisto“ Probleme der Lesbarkeit geben könnte. Was meine ich damit? Spiele, die auf bekannte Szenarien zurückgreifen, geben aus gelernten Mustern automatisch schon eine gewisse Übersicht. Bei „Undaunted 2200: Kallisto“ gibt es ausgedachte Fraktionen und Einheiten. Damit hebt sich das Spiel ab – es geht nicht mehr in der WWII-Masse unter, sondern bietet ein frisches Szenario. Vielleicht spricht es damit auch Menschen an, die Spiele mit historischem Kontext und Krieg ablehnen.
Das Spiel unter der Haube ist auf jeden Fall einen Blick wert. Es bietet eine enorme Zugänglichkeit, gepaart mit einem schnellen Spielablauf. Es gibt unterschiedliche Szenarien, die den Wiederspielwert erhöhen und Abwechslung bieten sollten. Gerade für den Einstieg in das Genre wird sich das gut eignen, wobei auch Kenner nicht außen vorbleiben.
Meinung von Philipp
Undaunted ist eine Spiele-Reihe, die ich immer nur neidisch aus der Entfernung betrachtet habe. Weder das Weltkriegs-Setting noch das kompetitive Spielsystem für zwei Personen waren bisher für mich und meine Spielegruppen geeignet. Ändert die neue SciFi-Version etwas daran? Ich bin mir nicht sicher.
Das neue Setting gefällt mir auf den ersten Blick ganz gut. Es ist nicht mehr so militaristisch, was für größeres Potenzial an Mitspielenden bei mir sorgt. Trotzdem ist es weiterhin ein Konflikt, der zumindest relativ plausibel erscheint: ein Konzern, der seine finanziellen Interessen gegen die Rechte der Arbeiterschaft durchzusetzen versucht, die sich aber mit Waffengewalt dagegen zur Wehr setzt.
Das Spielsystem finde ich als Undaunted-Neuling ziemlich faszinierend. Da die Karten gleichzeitig Aktionen und eine Art Lebenspunkte der einzelnen Einheiten repräsentieren, ist das Hinzugewinnen oder der Verlust einer solchen Karte doppelt taktisch und strategisch relevant. Trotzdem ist das System simpel und lässt sich flüssig und fix spielen, Züge vergehen oft wie im Flug. Und ganz im Sinne eines Wargames ist die Positionierung und taktische Planung essenziell wichtig. Ein nicht zu unterschätzender Glücksfaktor im Kampf sorgt dabei für eine gewisse Würze, manchmal aber auch ein paar Frustmomente.
Insgesamt hat mir meine Probepartie definitiv Lust auf mehr gemacht. Dennoch bin ich mit ein paar Designentscheidungen der neuen Version nicht ganz glücklich. Erstens erscheint mir der Wechsel von den modularen Spielfeldern der Vorgänger hin zu großen, statischen Spielbrettern eher wie ein Rückschritt, auch wenn das Spiel insgesamt durchaus eine ganze Ecke schicker aussieht. Zweitens habe ich den Sinn der Mechs nach einer Partie noch nicht ganz verstanden, da diese sich eigentlich kaum bis gar nicht von den menschlichen Einheiten unterschieden haben… aber vielleicht kommt das ja im Laufe der Kampagne dann noch dazu. Für Fans von kompetitiven, taktischen Scharmützeln ist „Undaunted 2200: Kallisto“ sicherlich ein Blick wert.
Quellen:
Tags: Spiel25




