Evolution einer Spielidee – Rückblick auf 15 Jahre Weiterentwicklung
Jepp, das bin ich. Ihr fragt euch wahrscheinlich, was ich im Titelbild mache. Ich war 2014 auf der SPIEL in Essen und wurde von einem Kartenspiel mit spannendem Thema in den Bann gezogen.
Gemeint ist “Evolution: The Origin of Species” (2010), in dem Darwins Lehren spielerisch erlebt werden können und welches auf dem Titelbild den Tisch ziert. Zurück in der Gegenwart gibt es mit “Nature” (2025) bereits die Überarbeitung der Überarbeitung “Evolution” (2014) – Anlass genug, die letzten beiden einmal zu vergleichen und weitere Vertreter zu entdecken. Da ich den ursprünglichen Titel nach der Partie auf der Messe nie wieder gesehen habe, fällt dieser aus dem direkten Vergleich heraus.
Der Urschleim
Die Geschichte der “Evolution”-Reihe liest sich selbst wie eine Evolutionsgeschichte, der ich hier versuche, auf den Grund zu gehen. Am Anfang waren der Hunger und die Weiterentwicklung. Im ersten Spiel “Evolution: The Origin of Species” von 2010 wurden die Tierarten durch geckoartige Echsen dargestellt. Diese Spezies können durch beliebige Kombinationen und Anzahl von Eigenschaftskarten angepasst werden.
Die verfügbare Nahrung wird mittels Würfel bestimmt und der Futterbedarf einer Spezies richtet sich nach ihren Eigenschaften. Eine gefressene Tierart scheidet sofort aus dem Spiel aus, das gilt auch beim Verhungern. Es können Symbiosen zwischen den eigenen Tierarten ausgebildet werden. Eine Vielzahl von Erweiterungen und Zusammenstellungen erhöhen die Möglichkeiten der Spieler. Im folgenden Schaubild sind “Time to Fly”, “Continents” und “Random Mutations” mit verzeichnet.
Entwickelt wurde das Spiel von Dmitry Knorre und Sergey Machin. Es richtet sich an zwei bis vier Spieler ab 12 Jahren.
Die Weiterentwicklung
Der erste Nachfahre wurde 2014 unter dem Namen “Evolution” veröffentlicht. Zu den Entwicklern des ersten Spiels, Dmitry Knorre und Sergey Machin, stieß Dominic Crapuchettes hinzu. “Schmidt Spiele” hat das Spiel auf Deutsch vertrieben. Neben der auffälligen Grafik und Fokussierung auf größere Tierarten wurde auch die Anzahl der Spieler auf sechs erhöht. Die Erweiterung “Flight” von 2015 ist nicht in deutscher Sprache erschienen.
Die nächste Version des Trios war “Evolution: Climate” von 2016 - hier wurden neben Fressfeinden auch die Eiszeit und damit einhergehende Anpassungen thematisiert. Diese Version ist ebenfalls nie in deutscher Sprache erschienen und mit “Flight” kompatibel.
Parallel dazu gab es ebenfalls 2016 eine abgespeckte Version für zwei bis fünf Spieler, “Evolution: the Beginning” bzw. "Evolution: Der Einstieg”, wie es bei Schmidt Spiele erschien. Bei dieser wird allein Dominic Crapuchettes als Autor angegeben.
Die beiden ursprünglichen Autoren meldeten sich 2023 zurück: Dmitry Knorre und Sergey Machin veröffentlichten mit “Evolution: New World” einen direkten Nachfolger des ursprünglichen Designs, wieder mit Echse auf dem Cover und für zwei bis vier Spieler.
Im Jahr 2024 folgt mit “Evolution: Another World” der geistige Nachfolger aus der Feder des Autors Yury Yamshchikov. Der Titel bricht erstmals mit dem Naturthema, indem Fantasy-Elemente wie etwa Feueratem oder Geisterwesen Einzug halten. Neu ist ebenfalls der Solomodus.
Ebenfalls 2024 ist mit “Evolution: Über die Entstehung der Arten“ eine deutsche Version des Originals bei “Young Newton” von Dmitry Knorre erschienen.
Der aktuelle Vertreter der Reihe ist “Nature”. 2024 wurde das Spiel von Dominic Crapuchettes zunächst über Kickstarter finanziert und 2025 veröffentlicht, dank Haba sogar auf Deutsch. Das Grundspiel möchte sich auf die Kernpunkte reduzieren und durch Zusatzmodule Varianz bieten. Die fünf Module “Flight”, “Jurassic”, “Natural Disasters", “Arctic Tundra” und “Amazon Rainforest” sollen unterschiedliche Spielerlebnisse bieten und 2026 ebenfalls von HABA lokalisiert werden. “Climate” wurde kürzlich ebenfalls über Kickstarter finanziert.
Evolution und Nature im Vergleich
Zurück zu mir: Ich habe seit Kurzem nun “Nature” und “Evolution” in ihrer jeweiligen Basisausführung zu Hause. Die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden bietet sich entsprechend an. Was ist gleich, was hat sich geändert und ist neu immer auch besser?
Gemeinsam haben beide Spiele den grundlegenden Gedanken, dass Spezies mittels Karten bis zu drei Eigenschaften zugespielt werden und die Tiere Futter brauchen, um zu überleben. Die Größe und Population kann jeweils durch abgeworfene Karten erhöht werden.
Im Detail hat sich aber einiges geändert:
In Nature erhalten Spieler eine Tierart, fünf Karten und der Pool eine konstante Menge Futter pro Runde. In Evolution wurden Tierarten und Futter mit Karten gesteuert und die Anzahl der Spezies bestimmte das Nachziehen.
In “Nature” liegen deutlich weniger verschiedene Eigenschaften (8 und “Jäger”) bei, welche weniger spezialisiert sind als die Karten bei Evolution (17). Die Eigenschaft “Jäger”/”Fleischfresser” ist nicht mehr Teil des Nachziehstapels und kann jederzeit genutzt werden. Einige der Eigenschaften werden mit den Modulen wieder eingeführt. Auf Verbindungen zwischen den eigenen Spezies wie “Symbiose”, “Warnruf” oder “Kooperation” wurde in Nature im Basisspiel komplett verzichtet. Die Unterscheidung in Pflanzen-, Alles- und Fleischfresser ist in “Nature” deutlicher ausgearbeitet und wird vom Material unterstützt.
Die Darstellung von Größe und Population wurde genauso neu gedacht wie der Startspieler-Marker. Statt Beuteln bekommt jeder Spieler einen Sichtschutz, um angesammeltes Futter zu verbergen.
Der Solo-Modus erlaubt nun das Alleinspielen und für Duelle entfällt die Beschränkung auf zwei Eigenschaften pro Spiel. Die Länge einer Partie ist vorhersehbarer, da nun eine Anzahl Runden gespielt wird, anstatt den Nachziehstapel aufzubrauchen. Am Ende findet eine angepasste Wertung auf Basis der Tierarten und der gesammelten Nahrung statt.
Die größte Änderung liegt in meinen Augen darin, dass Verhungern und Aussterben von Arten weniger Nachteile mit sich bringen. Verlorene Population und Größe kommen in der nächsten Runde der neuen Art zugute und die Anzahl der gezogenen Karten verändert sich nicht.
Die Komponenten von “Nature” sind biologisch abbaubar. Unter anderem sind Pappschachteln zur Aufbewahrung der Marker anstelle von Plastiktüten enthalten.
Und nun?
Langfristig (wenn man meine Frau fragt, eher mittelfristig) werde ich mich wohl von einem der Spiele trennen müssen: Fressen und gefressen werden, der Stärkere wird sich durchsetzen und den Schwächeren aus dem Spieleregal verdrängen.
Ansonsten habe ich mich im Artikel primär auf die Autoren konzentriert, es haben aber auch viele weitere Personen an den Spielen mitgewirkt. Hier die Liste der Illustratoren laut BGG:
- Dmitry Knorre
- Sergey Machin
- JJ Ariosa
- Giorgio De Michele
- Catherine Hamilton
- Kurt Miller
- Jacoby O'Connor
- Ben Goldman
- Maria Efremova
- Alexandra Karenskaya
Quellen:
BGG Evolution: The Origin Of Species



