Zunächst fällt natürlich das Thema von „Jerusalem“ auf und es ist erstaunlich, dass ein so zentraler Bestandteil des Lebens vieler Menschen in Spielen bisher kaum behandelt wurde. Vermutlich ist vielen Publishern das Thema zu heikel und sie befürchten ungewollte Diskussionen, verletzte Gefühle, etc.. Aus unserer Sicht ist die thematische Umsetzung hier jedoch durchaus gelungen. Das Spiel stellt das Thema neutral dar, ohne eine Meinung beeinflussen zu wollen.
Neben dem Thema ist auch das Spielmaterial hervorzuheben. Wir waren überrascht, fünf gedruckte Anleitungen, sowie verschiedene Sets von Aufkleber der Apostel in fünf verschiedenen Sprachen im Karton zu finden. Auch für die sonstigen Meeple und die Ressourcen gibt es Aufkleber zum Bekleben. Dafür sollte allerdings etwas Zeit eingeplant werden, doch das Ergebnis lohnt sich. Das Spielmaterial sieht dadurch besonders ansprechend aus.

Von der Vielzahl an unterschiedlichen Symbolen wurden wir anfangs erschlagen. Allerdings unterstützt hier die nützliche Spielhilfe gut.
Im Kern handelt es sich bei „Jerusalem“ um ein kartengesteuertes Ressourcenmanagementspiel mit Deckbau- und Set-Collection-Elementen. Das letzte Abendmahl bildet dabei das zentrale Spielelement und sorgt mit einem intensiven Ringen um die besten Plätze für viel Interaktion. Dabei stellt sich ständig die Frage, ob es sich lohnt, die Meeple direkt auf die vorderen, teuren Plätze zu setzen oder darauf zu hoffen, sie später kostengünstig aus den hinteren Reihen nach vorne zu tauschen. Platzierungsboni spielen eine wichtige Rolle, da sie beispielsweise das Vorrücken auf dem Pfad Jesu ermöglichen.
Auf Grund der Dynamik bei der Platzierung der Meeple und Apostel während des Spielverlaufs, ist eine langfristige Strategie schwer umsetzbar. Stattdessen sind kurzfristige taktische Entscheidungen entscheidend. Glück spielt in „Jerusalem“ eine untergeordnete Rolle.

Weitgehend ist „Jerusalem“ ein Mangelspiel. Wichtig sind die Entscheidungen, wann welche Anhänger zum letzten Abendmahl geschickt werden, da dadurch die Ortsaktionen weniger Ressourcen ermöglichen, bis wieder neue Meeple angeworben wurden. Ein interessanter Mechanismus ist, dass nach und nach die Lagerkapazität freigespielt wird. Anfangs sind diese sehr begrenzt und es geschieht gerne, dass wir mehr Ressourcen erhalten, als gelagert werden können. Auch auf Siegpunkte, die Lagerplätze belegen würden, wird verzichtet. Dies ändert sich im Laufe des Spiels und das richtige Timing kann entscheidend sein.
Uns hat "Ierusalem" gut gefallen. Die Spielmechanik und das Thema greifen nahtlos ineinander und sorgen für ein immersives Spielerlebnis. Der Raum des letzten Abendmahls füllt sich nach und nach, und man bewegt sich unaufhaltsam auf die Kreuzigung Jesu zu.

Natürlich fühlt sich in einem kompetitivem Spiel das Gerangel um die besten Plätze, oder kleine Gefallen, die natürlich möglichst zu einem Zeitpunkt erbracht werden, wenn die Person davon wenig hat, nicht unbedingt besonders christlich an. Aber „Jerusalem“ ist ein Spiel und keine Lehrstunde über Religion und Verhaltenslehre.
Es gibt auch einen Zwei-Spieler-Modus mit einem zusätzlichen Spielelement. Neutrale Meeple können gruppiert eingesetzt werden und bringen dadurch zusätzliche Siegpunkte. Diesen Modus können wir ebenfalls empfehlen.
{module Discord-Hinweis Tests}
Bilder zum Spiel
{module Aktuelle Texte für Content}




