Test | Motor City
Ich, Henry Ford, habe mir oft Sorgen gemacht, ob meine Fließbandproduktion ein Fortschritt ist. Die monotone Arbeit ließ mich zweifeln – mache ich den Menschen damit zur Maschine? Ich fürchtete, dass Effizienz und Gewinnstreben die Gesellschaft spalten könnten. Es ging mir nie nur um Erfolg, sondern auch um eine gerechtere Welt. Mein Ziel war, Autos für alle erschwinglich zu machen. Meine Heimatstadt Detroit wurde zum Herz der modernen Autoproduktion. Ob wir es schaffen, in Henrys Fußstapfen zu treten, schauen wir uns jetzt genauer an.

Das Spiel wurde gestellt, auf die Wertung hatte dies keinen Einfluss.
Im strategischen Roll-and-Write-Spiel "Motor City" leiten wir eine Automobilfabrik in der Blütezeit von Detroit und steuern deren Entwicklung über acht Runden. Zu Beginn wählen wir einen Testwagen und einen Ingenieur, die unsere Startmöglichkeiten auf den Spielbögen bestimmen. Unsere Entscheidungen beeinflussen fortan, welche Kategorien wie Testfahrt, Verkauf, Entwicklung und Produktion wir priorisieren und wie wir uns gegen die Herausforderungen eines strengen Prüfers behaupten.

Das Spielmaterial umfasst 2 Spielblöcke mit je 50 Blättern, 11 Würfel (4 graue, 4 weiße, 3 blaue), 1 roten Prüfwürfel, 1 schwarzen Solowürfel, 1 Startspielermarker, 5 Prüfmarker, 1 Spielbrett und 1 Regelheft.
Jede Runde beginnt mit dem Würfeln und dem Platzieren der Würfel auf dem zentralen Blueprint-Tableau. Wir wählen abwechselnd Würfel und führen drei Aktionen aus. Zuerst aktivieren wir den Bonus des gewählten Würfels, dann entscheiden wir uns für eine der Hauptaktionen (Blueprint-Aktion, Aufwerten oder Forschung) und schließlich platzieren wir den Würfel auf unserem Spielbogen, um eine spezifische Abteilungsaktion auszuführen. Die letzte verbleibende Würfelaktion wird von allen Personen am Tisch gleichzeitig genutzt, jedoch ohne Boni oder Aufwertung.
Während des Spiels arbeiten wir an verschiedenen Fortschrittsleisten. Im Bereich Testfahrt erhalten wir Boni und Produktionsgegenstände. In der Produktion erschließen wir neue Bereiche für hochwertige Boni, für die wir allerdings Gegenstände benötigen. Im Verkauf sammeln wir Einnahmen, die uns Siegpunkte bringen, aber auch in die Serviceabteilung investiert werden können. In der Entwicklung erforschen wir neue Technologien und schalten ebenfalls hochwertige Boni durch Gegenstände frei. Der Tacho-Track wird im Uhrzeigersinn ausgefüllt und belohnt uns mit Punkten an jedem Rundenende. In der Forschungsabteilung haben wir die Wahl zwischen freien Aktionen und dem Kauf von Shop-Artikeln.

Bei der Hauptaktion haben wir die Möglichkeit, Würfel vom Blueprint-Tableau zu nehmen, um Aktionen aufzuwerten. Aufgewertete Aktionen erlauben es uns, zwei oder drei Felder auf der entsprechenden Fortschrittsleiste zu füllen. Eine Aufwertung ist auch im Servicebereich möglich. Ebenso kann eine Prüfung umgangen und ein Testwagen gekauft werden.

Nach acht Runden zählen wir unsere Punkte aus den Runden und den verschiedenen Bereichen zusammen. Wie fast immer, gewinnt die Person mit den meisten Punkten.

Das Kennerspiel "Motor City" ist das dritte Spiel der Motor City Gameworks Loaded Roll-and-Write-Serie. Die beiden Vorgänger "Fleet: The Dice Game" und "Three Sisters" kenne ich leider nicht. In allen Spielen wird gewürfelt, sie unterscheiden sich nur thematisch.
Fangen wir doch mit dem Thema an. Ich finde, dass die einzelnen Bereiche gut miteinander verzahnt sind und das Thema durchaus das Spielerlebnis trägt. Oft fühlte ich mich an "Kanban EV" von Vital Lacerda erinnert.
"Motor City" ist ein gut durchdachtes Roll-and-Write-Spiel mit einem übersichtlichen und klar strukturierten Regelwerk. Erfahrene Spieler und Spielerinnen sollten nach kurzer Einarbeitungszeit gut zurechtkommen. Insgesamt umfasst das Regelheft 12 Seiten im ca. DIN A5 Format. Das Layout der Seiten wirkt etwas gedrungen. Dies ist sicherlich der kompakten Spielschachtel geschuldet, die auf das nötige Maß reduziert ist.

Das gesamte Spielmaterial ist von guter Qualität. Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass die Spielbögen beidseitig bedruckt sind. Ich empfehle daher, keinen Filzstift zu verwenden, da die Markierungen mit Sicherheit durchschlagen würden. Stattdessen habe ich die Spielbögen laminiert und benutze nicht permanente Filzstifte. Sollten euch die Spielblöcke ausgehen nutzt dieses Download-PDF.
Das Artwork des Spiels ist funktional und übersichtlich. Dennoch wirkt das Spiel auf den ersten Blick komplizierter als es ist. Denn "Motor City" arbeitet mit einer Vielzahl von Symbolen. Die Symbolsprache ist oft eindeutig, braucht aber auch etwas Zeit, um verinnerlicht zu werden. Eine zusätzliche Übersicht mit der Bedeutung der Symbole würde den Griff zum Regelheft ersparen und den Spielfluss erhöhen.

Die strategische Tiefe von "Motor City" ist beeindruckend: Jede Aktion hat Konsequenzen für den weiteren Spielverlauf und es gibt zahlreiche Wege zum Sieg. Egal, ob man sich auf die Forschung konzentriert, die Einnahmen maximiert oder die Produktionsketten optimiert. Durch das Freischalten von Boni entstehen oft Kettenzüge, die sich sehr belohnend anfühlen. Doch jede Entscheidung erfordert sorgfältige Planung, denn die Ressourcen sind begrenzt und die Prüferin blockiert immer wieder bestimmte Aktionen.
Downtime ist sicherlich ein Thema bei "Motor City". Der eigene Spielzug muss gut geplant werden und so reichen eigentlich ein bis zwei Mitspieler für das volle Spielerlebnis.
Die Interaktion in "Motor City" beschränkt sich, wenn überhaupt, auf das Nehmen von Würfeln, die unserer Konkurrenz nützen könnten. Das funktioniert im Spiel zu zweit noch ganz gut. In größeren Gruppen verliert man eher den Überblick und konzentriert sich auf seine Strategie. Von daher spielt sich "Motor City" stark solitär.

Apropos Solitär: "Motor City" verfügt über einen Solomodus, in dem wir versuchen, unsere eigene Punktzahl gegen die Prüferin Romy zu übertreffen. Romy zieht Würfel und blockiert damit Bereiche unseres Spielbogens. Sie begrenzt quasi, wie weit wir auf einer Fortschrittsleiste vorankommen können, indem sie die jeweils letzten Felder streicht. Den Schwierigkeitsgrad können wir in vier Stufen anpassen, indem wir beim Spielaufbau die Würfelfarbenauswahl bestimmen. Unterm Strich sind die Regelanpassungen für den Solomodus sehr übersichtlich. Der Spielmodus unterscheidet sich jedoch wesentlich vom Mehrspielermodus, da hier in den eigenen Spielbogen eingegriffen wird.
Insgesamt überzeugt "Motor City" als anspruchsvolles Roll-and-Write-Spiel mit hohem Wiederspielwert. Es fordert uns heraus, kluge Entscheidungen zu treffen und unsere Ressourcen effizient einzusetzen. "Motor City" stellt das Genre nicht auf den Kopf. Es ist aber sicherlich eine gute Wahl, wenn man Roll-and-Write-Spiele mag und mehr Komplexität wie z.B. in der "Welcome to …" Reihe möchte. Es kann sich aber nicht in der Komplexität mit Spielen wie z.B. "Hadrian´s Wall" und "Twilight Inscription" messen.
Welche Erfahrungen hast du mit "Motor City" gemacht oder welches Roll-and-Write ist eigentlich dein Lieblingsspiel? Dann schau doch auf unserem Discord-Server vorbei: https://discord.gg/DacwPAQJWs

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Bilder des Spielmaterials





