Test | INSTINKT – Duell der Tiere
In einem düsteren Wald voller mystischer Tiere kommt es zu einem Kampf zweier dichotomer Kräfte. Schwarz gegen Weiß, Licht gegen Dunkelheit. Doch beide ahnen nicht, dass sie am Ende gleich sind. Wir haben „Instinkt“ selbst gekauft. Auf unsere Bewertung hat dies keinen Einfluss.

Worum geht es in dem Spiel?
„Instinkt“ ist ein reines Zwei-Personen-Spiel, bei dem verschiedene Tierkarten nacheinander in ein entstehendes 4x4 Raster gelegt werden.
Zu Beginn entscheidet sich jede Person für das Deck einer Farbe, Schwarz oder Weiß. Beide Farben haben die exakt gleichen Karten. Die beiden Decks werden gemischt und beide Personen ziehen drei Handkarten.

Gleichzeitig wird nun eine Handkarte ausgewählt und verdeckt abgelegt. Beide Karten werden umgedreht und eine kleine Zahl in der oberen linken Ecke gibt an, welche Karte zuerst in das Raster gelegt wird. Nach der ersten Karte muss immer angrenzend an eine bereits ausliegende Karte angelegt werden. Für die nächste Runde wird wieder auf drei Handkarten aufgezogen.
Auf den Karten finden sich verschiedene Tiere mit Bedingungen. Die Spinne z.B. bringt nur Punkte, wenn sie in einer Ecke des Rasters liegt. Die Katze möchte auch am Rand liegen, aber nicht in der Ecke, und die Motte möchte auf eines der vier zentralen Felder.

Es gibt noch ein paar Karten mit Aktionen. Mit der Schlange wird die gegnerische Karte einfach negiert, und der Waschbär lässt einen eigene Karten noch einmal umlegen.
Sobald das 4x4 Raster voll ist, endet das Spiel und es wird ausgezählt.

Das Cover lässt mich in Erinnerungen schwelgen, als noch mehr Crust Punk und Post Hardcore aus meinen Lautsprechern dröhnte. Denn auch die Plattencover waren meist, wie auch das Cover von „Instinkt“, in einem Schwarz/Weiß-Stil gehalten und zeigten Naturszenen, die eine romantisierte, natürliche Grausamkeit darstellen und diese in einen starken Kontrast zur hochtechnologisierten, entfremdeten Welt der Menschen in Großstädten setzt.

„Instinkt“ vermittelt eben das. Der Titel verspricht die natürliche Grausamkeit, die starken Kontraste zeichnen zwei Fronten. Friss oder werde gefressen, töte oder werde getötet. Passend zum Untertitel „Duell der Tiere“.
Doch so stilistisch reizvoll die Schachtel auch sein mag, so sehr hat mich der Inhalt leider eher an „Tic Tac Toe“ und „4 Gewinnt“ erinnert.
Das Lernen der einzelnen Effekte und Bedingungen der Tiere ist die erste Herausforderung. Dabei steht der Schwarz/Weiß-Stil einer treffenderen farblichen Codierung der Ikonographie leider im Weg. Immer wieder musste ich, ebenso wie meine Mitspieler, in die Anleitung schauen.

Sind alle Regeln im Groben geklärt, erwartet einen ein Spiel, das einfach nur reduziert wirkt. Wären die Punktechips und der eine Gleichstandsmarker nicht mit dabei, hätte es auch in eine dieser Verpackungen gepasst, die an Booster von Trading Card Games erinnern. Doch ich meine nicht nur das Material. Auch spielerisch kommt nicht so viel dabei herum.
Als ich meine erste Partie beendet hatte, waren da zwei enttäuschte Gesichter am Tisch. Es werden ein paar taktische Entscheidungen getroffen, mal eine Karte mit der Schlange gekontert, aber am Ende bleibt nichts übrig. Das Spiel lässt einen Klimax vermissen oder irgendeinen Ausschlag in der Spannungskurve. Es bleibt permanent flach.
Bei meinem dritten Mitspieler fror die Mimik ebenfalls mit hängenden Mundwinkeln für 15 Minuten ein. Und da musste ich mir selbst auch eingestehen, dass ich nicht viel Spaß an dem Spiel gefunden habe. Das Spiel möchte scheinbar taktische Tiefe bieten, aber scheitert.

Die drei Handkarten bilden einen zu kleinen Rahmen für tiefere Entscheidungen. Oft läuft die Auswahl wie automatisiert ab, weil es nur eine kluge Entscheidung zu geben scheint. Doch mehr Karten hätten noch mehr Nachlesen in der Anleitung gefordert und den Spielfluss noch mehr aufgehalten. Also bleibt es auf diesem Niveau.
„Okiya“, das 2017 bei Pegasus Spiele erschienen ist, war schon so eine Art Spiel, bei dem dieses Gefühl, „Tic Tac Toe“ zu spielen, immer wieder unangenehm durchschimmerte. Bei „Instinkt“ ist es leider nicht anders. Zu viel, um irgendwie als simpel und elegant zu erscheinen, aber zu wenig, um irgendeinen intellektuellen Reiz auszulösen.
Ich kann „Instinkt“ leider nicht empfehlen.

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Bilder des Spiels





