Test | INSTINKT – Duell der Tiere - Wertung - Fazit + Bilder

Das Cover lässt mich in Erinnerungen schwelgen, als noch mehr Crust Punk und Post Hardcore aus meinen Lautsprechern dröhnte. Denn auch die Plattencover waren meist, wie auch das Cover von „Instinkt“, in einem Schwarz/Weiß-Stil gehalten und zeigten Naturszenen, die eine romantisierte, natürliche Grausamkeit darstellen und diese in einen starken Kontrast zur hochtechnologisierten, entfremdeten Welt der Menschen in Großstädten setzt.

„Instinkt“ vermittelt eben das. Der Titel verspricht die natürliche Grausamkeit, die starken Kontraste zeichnen zwei Fronten. Friss oder werde gefressen, töte oder werde getötet. Passend zum Untertitel „Duell der Tiere“.
Doch so stilistisch reizvoll die Schachtel auch sein mag, so sehr hat mich der Inhalt leider eher an „Tic Tac Toe“ und „4 Gewinnt“ erinnert.
Das Lernen der einzelnen Effekte und Bedingungen der Tiere ist die erste Herausforderung. Dabei steht der Schwarz/Weiß-Stil einer treffenderen farblichen Codierung der Ikonographie leider im Weg. Immer wieder musste ich, ebenso wie meine Mitspieler, in die Anleitung schauen.

Sind alle Regeln im Groben geklärt, erwartet einen ein Spiel, das einfach nur reduziert wirkt. Wären die Punktechips und der eine Gleichstandsmarker nicht mit dabei, hätte es auch in eine dieser Verpackungen gepasst, die an Booster von Trading Card Games erinnern. Doch ich meine nicht nur das Material. Auch spielerisch kommt nicht so viel dabei herum.
Als ich meine erste Partie beendet hatte, waren da zwei enttäuschte Gesichter am Tisch. Es werden ein paar taktische Entscheidungen getroffen, mal eine Karte mit der Schlange gekontert, aber am Ende bleibt nichts übrig. Das Spiel lässt einen Klimax vermissen oder irgendeinen Ausschlag in der Spannungskurve. Es bleibt permanent flach.
Bei meinem dritten Mitspieler fror die Mimik ebenfalls mit hängenden Mundwinkeln für 15 Minuten ein. Und da musste ich mir selbst auch eingestehen, dass ich nicht viel Spaß an dem Spiel gefunden habe. Das Spiel möchte scheinbar taktische Tiefe bieten, aber scheitert.

Die drei Handkarten bilden einen zu kleinen Rahmen für tiefere Entscheidungen. Oft läuft die Auswahl wie automatisiert ab, weil es nur eine kluge Entscheidung zu geben scheint. Doch mehr Karten hätten noch mehr Nachlesen in der Anleitung gefordert und den Spielfluss noch mehr aufgehalten. Also bleibt es auf diesem Niveau.
„Okiya“, das 2017 bei Pegasus Spiele erschienen ist, war schon so eine Art Spiel, bei dem dieses Gefühl, „Tic Tac Toe“ zu spielen, immer wieder unangenehm durchschimmerte. Bei „Instinkt“ ist es leider nicht anders. Zu viel, um irgendwie als simpel und elegant zu erscheinen, aber zu wenig, um irgendeinen intellektuellen Reiz auszulösen.
Ich kann „Instinkt“ leider nicht empfehlen.

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