Test | HE.R.O - Kickstarter-Version
In HE.R.O spielen zwei bis vier Personen aufstrebende Ärztinnen und Ärzte, die sich in der Notaufnahme einen Namen machen möchten, indem sie möglichst viele Patientinnen und Patienten innerhalb ihrer Nachtschicht heilen. Dazu müssen sie nicht nur ihre eigenen Statuswerte & Fähigkeiten, sondern auch die ihres Kollegiums nutzen – doch Vorsicht! - auch Beistehende erhalten Punkte und Schlaf sollte ebenfalls nicht vernachlässigt werden...

Das Spiel wurde gekauft. Auf die Bewertung hat dies keinen Einfluss!
Willkommen in der Notaufnahme... Trittbrettfahrerei erwünscht!
HE.R.O kann in zwei verschiedenen Modi gespielt werden: Kooperativ und kompetitiv, wobei beide Varianten denselben Grundregeln folgen und sich nur wenige Details ändern.
Nach der Einigung auf eine kurze oder eine lange Schicht (unterschiedliche Rundenzahl) starten die Spielfiguren ihre aufstrebende Karriere erstmal im Krankenhausflur. Von dort aus stehen allen Spielenden pro Runde je drei der nachfolgenden fünf Aktionsmöglichkeiten zur Verfügung:
Gehen, Rennen, Studieren, Heilen und nach neuen Patientinnen und Patienten umsehen.

Über Gehen und Rennen kann man seine eigene Spielfigur plus optional Personal und Patientinnen und Patienten bewegen – wobei Letztere wildes Herumgeschiebe nicht schätzen und mit Chaosmarkern abstrafen. Diese ziehen nicht nur am Spielende Punkte ab, sondern sorgen im kooperativen Modus auch für eine Niederlage, wenn zu viele davon angehäuft werden.
Im Notaufnahmeraum kommen jede Runde neue Patientinnen und Patienten an, die geheilt werden können, sofern die eigenen Statuswerte mindestens die auf ihren Karten erforderten Werte decken. Dabei werden auch die Statuswerte anwesender Kolleginnen und Kollegen hinzuaddiert, die für ihren erfolgreichen passiven Einsatz ebenfalls einen Teil der “erheilten“ Siegpunkte erhalten.
Für die Heilung von Patientinnen und Patienten steht je nach Schwere der Erkrankung unterschiedlich viel Zeit in Form von Zeit-Tokens zur Verfügung. Können Patientinnen und Patienten nicht vor Ablauf der Zeit geheilt werden, erhalten alle Spielenden eine Strafe in Form von Chaosmarkern.
Unabhängig von den drei Aktionen, die allen Spielenden pro Runde zur Verfügung stehen, können Chefärztinnen und Chefärzte gerufen und Personal zur Hilfe eingesetzt werden. Diese ergänzen entweder die Statuswerte oder unterstützen über Effekte. Über die Studieren-Aktion lassen sich dauerhafte Items sammeln, die Statuswerte verbessern.

Sowohl Siegpunkte als auch Chaosmarker landen dabei für alle Spielenden in einem blickdichten persönlichen Beutel, damit der genaue Punktestand der Mitspielenden bis zum Ende eine Überraschung bleibt
Siegreich ist, wer am Ende der Nachtschicht mindestens 6 Schlaftokens (durch Ausruhen im Pausenraum) gesammelt und die meisten Siegpunkte “erheilt“ hat.
HE.R.O ist kein kompliziertes Spiel, die Grundregeln sind per Anleitung schnell gelernt.
Leider ergaben sich im Spielverlauf einige Anwendungsfragen zu Effekten, die die Anleitung weder im Detail noch generell beantworten konnte. Das führte dann dazu, dass die fraglichen Effekte irgendwo zwischen „zu schwach“ und „zu stark“ pendelten und schlussendlich per Diskussion bestimmt wurden.
Generell fängt HE.R.O das dargestellte Thema aufstrebender Krankenhausärztinnen und Krankenhausärzte gut ein: Es wird anfänglich viel herumgerannt, improvisiert und Personal aufgescheucht. Hier ist auch ein wenig Planung und Überblick gefragt – wer ist wo und hat welche Statuswerte, welche Effekte stehen gerade zur Verfügung und wie lassen sich die eigenen Aktionen am gewinnbringendsten nutzen? Das bringt Spaß, sorgt aber auch stellenweise für längere Züge, wenn die Statuswerte aller Anwesenden erstmal durchgerechnet und Effekte bedacht werden.

Im zunehmenden Spielverlauf bleibt man dann allerdings größtenteils nur noch im Notaufnahmeraum, um möglichst viele hochwertige Patientinnen und Patienten zu heilen und Passivpunkte einzustreichen. Dabei bestimmt das Glück, ob die Patientinnen und Patienten, die in der eigenen Runde gerade anwesend sind, heilbar und punkteträchtig sind, wodurch sich keine konstante Strategie erarbeiten lässt. Über die Aktion „nach Patientinnen und Patienten umsehen“ können zwar weitere Punkte, äh, Patientinnen und Patienten hereingerufen werden, aber eine wertvolle Aktion eventuell für eine 2-Punkte-Übelkeit zu verschwenden, fühlt sich manchmal eher verzweifelt als hilfreich an.
Die individuellen Fähigkeiten der Charaktere geben dem Spiel zwar eine interessante Asymmetrie, sind allerdings in ihrer Nützlichkeit unausgewogen. Im 4-Personen-Spiel gab es sowohl Fähigkeiten, die im gesamten Spielverlauf kaum gewinnbringend eingesetzt werden konnten als auch solche, von denen jede Runde profitiert wurde. Beispielsweise existiert eine Fähigkeit, die bei drei erfolgreichen Heilungen pro Runde ein Schlaftoken generiert – dadurch konnte die spätere Siegerin sich komplett auf das Heilen von Patientinnen und Patienten konzentrieren und sich die Aktionen, die alle anderen Spielenden für das obligatorische Schlafen aufwenden mussten, sparen. Die daraus resultierende Diskrepanz in den Punkten war deutlich und erfordert als Resultat gegebenenfalls die Einführung von Hausregeln.

In punkto Ausstattung kann sich HE.R.O durchaus sehen lassen: In der Kickstarter-Ausgabe sind die Boards aus robuster Pappe, sämtliche Figuren – Charaktere wie einfaches Personal – sind als Acryltokens vorhanden und das Artwork lässt erkennen, dass hier viel Liebe hineingeflossen ist. Überall finden sich kleine Gags und popkulturelle Referenzen, die auch dem Personal ein wenig Charakter geben. Die bewusst überzeichnete Anime-Optik mit großen Augen und überzeichneten Gesichtsausdrücken ist sicher nicht jedermanns Sache, aber gut gemacht.
Leider wurde versäumt, die Acrylfiguren der Charaktere anders zu gestalten als die diversen Hilfscharaktere – da sich bis zu 6 farbenfrohe Nebencharaktere und 4 Spielfiguren gleichzeitig auf dem Spielfeld tummeln können, geht hier schnell die Übersicht verloren. Hier hätte es geholfen, die Hauptakteure in Farbe oder Größe vom Rest abzusetzen.
HE.R.O ist ein kurzweiliges, leicht chaotisches Aktionsauswahl-Spiel mit viel Humor. Die Regeln sind leicht erlernt, lassen allerdings auch einige Fragen offen. Auch wenn durch geschickte Planung einige Patientinnen und Patienten über dem eigenen Level geheilt werden können, bleibt das Spiel durch den hohen Glücksfaktor bei den Patientinnen und Patienten und die fehlende Balance bei einigen Charaktereffekten glückslastig und fühlt sich dafür mit etwa 1 bis 1,5 Stunden manchmal ein wenig zu lang an. Insgesamt hatte unsere Gruppe Spaß mit dem Spiel und seinem Charme – ein besonders tiefgründiges Spielerlebnis sollte man dabei allerdings nicht erwarten.

Welche Erfahrungen hast du mit diesem Spiel gemacht
oder hast du noch Fragen zu diesem oder anderen Spielen?
Dann schaut doch auf unserem Discord-Server vorbei: https://discord.gg/DacwPAQJWs
Bilder zum Spiel
Das könnte Dich auch interessieren
........
Tags: Kooperativ, 2-4 Spieler, Kickstarter, Kompetitiv, Aktionsauswahl, Acrylstandees, Versteckte Siegpunkte





