Test | Tea Garden
Die Morgensonne taucht die Teefelder entlang des Jangtse-Flusslaufs in goldenes Licht, während ich barfuß durch die dichten Teesträucher schreite. Meine Hände gleiten durch den jungen Tee, prüfen die Reife. Mein Vater tat dies, sein Vater vor ihm. Der Boden hier in Yunnan ist fruchtbar, aber das Leben bleibt mühsam. Wie schwer der Teeanbau in der Provinz Yunnan ist, schauen wir uns jetzt genauer an.

Das Spiel wurde uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Auf die Bewertung hat dies keinen Einfluss!
So funktioniert das Spiel
Wir sind die Besitzer der ersten Teegärten in der chinesischen Region Yunnan. Durch das Anlegen von Teegärten versuchen wir, unsere Plantage zu vergrößern. Unser Ziel ist es, möglichst viele Siegpunkte zu sammeln.
Zum Spielmaterial gehören 1 Spielplan, 4 Spielertableaus, 28 Pagoden, 32 Arbeiter, 4 Boote, 4 Siegpunktmarker, 44 Startkarten, 30 schwarze Teeschalen-Marker, 40 Teeschalen-Plättchen, 1 Startspieler-marker, 18 Region-Bonus-Plättchen, 80 Teeblatt-Marker, 1 Runden-Marker, 24 Schriftrollen-Plättchen, 30 Kaiser-Marker, 16 Kaiserkarten, 45 Aktionskarten, 30 Karawanenkarten und 10 Spielhilfen.

Das Spiel geht über fünf Runden. In jeder Runde führen wir bis zu vier Züge aus, die durch das Ausspielen unserer Handkarten ausgelöst werden. In der Aktionsphase führen wir eine Hauptaktion, eine Nebenaktion und freie Aktionen in beliebiger Reihenfolge aus. Zu den Hauptaktionen gehören der Bau eines Teegartens, der Erwerb neuer Aktionskarten, die Karawane, die Fermentierung und eine zusätzliche Ernte.
Auf unserem Spielertableau gibt die Zahl unter der Teegartenpagode an, wie viel die Gesamtstärke der ausgespielten Karten mindestens betragen muss. Der neue Teegarten muss auf einem freien Feld errichtet werden, das an einen unserer Gärten angrenzt. Wer zwei Stärkepunkte mehr ausgibt als nötig, darf eine Region überspringen und muss nicht angrenzend bauen.
Die Aktionskarten in der Auslage können wir kaufen, die erforderliche Stärke steht jeweils über den Karten. Außerdem müssen wir den Preis im braunen Rahmen der Karten bezahlen. Mit der Karawanenaktion können wir Tee verkaufen. Wir bezahlen Teeblätter und erhalten die aufgedruckten Boni und Siegpunkte. Zusätzlich erhalten wir Boni und Siegpunkte für den erreichten Stärkewert unserer Karten. Bei der Fermentierungsaktion werden grüne Teeblätter zu braunen Teeblättern fermentiert. Je nach ausgespielter Stärke wird die entsprechende Anzahl Teeblätter fermentiert. Die letzte Hauptaktion ist die zusätzliche Ernte. Für jeden in der aktuellen Runde ausgespielten Stärkepunkt darf geerntet werden.
In unserem Startdeck haben wir drei Karten mit Symbolen für die Nebenaktionen Flussfahrt, Teeschalenproduktion und Teestudien an der Universität. Wenn wir eine dieser Karten als oberste Karte ausspielen, dürfen wir die abgebildete Aktion ausführen. Bei der Flussfahrt erhalten wir die Boni der erreichten Streckenabschnitte und am Spielende die entsprechenden Siegpunkte. Bei der Teeschalenproduktion können wir Boni der Schalen und Siegpunkte freischalten, indem wir zwei gleichfarbige Teeschalenplättchen miteinander verbinden. Für die letzte Nebenaktion gehen wir zur Universität. Wir ziehen in einem Rondell einen Kreissektor weiter und erhalten die Boni. Überqueren wir die Startposition, stellen wir einen Arbeiter in die Mitte des Kreises. Jeder Arbeiter ist bei Spielende 10 Siegpunkte wert.

Schließlich gibt es noch vier freie Aktionen. Haben wir genügend Kaisermarker und Teeblätter, können wir auf der Kaiserleiste eine Stufe aufsteigen. Wir erhalten die Boni und eventuell eine Kaiserkarte. Kaiserkarten haben mehrere Neben- und freie Aktionen sowie besondere Wertungsbedingungen am Spielende. Mit dem Teeschalenbonus können wir den Bonus einer benachbarten Teeschale nutzen. Durch das Abwerfen einer Schriftrolle kann eine Nebenaktion einmal pro Runde wiederholt werden. Bei der letzten freien Aktion dürfen wir eine Schriftrolle einsetzen, um den aufgedruckten Effekt zu nutzen.
Vor Beginn der nächsten Runde bereiten wir das Spiel in der Organisationsphase vor. Der Startspielermarker wandert im Uhrzeigersinn zum nächsten Spieler. Die Aktionskartenauslage wird aktualisiert. Die ausgespielten Karten werden auf den Ablagestapel gelegt. Alle Spieler am Tisch führen eine Teereifung durch. Alle grünen Teeblätter verlieren eine Qualitätsstufe und alle braunen Teeblätter gewinnen eine Qualitätsstufe. Dabei ist Stufe eins das Minimum und Stufe sechs das Maximum. Jetzt ernten wir frischen Tee und sortieren ihn nach Qualität in die Körbe. Zum Schluss ziehen wir vier Karten vom Nachziehstapel und beginnen eine neue Runde.
Das Spiel endet nach fünf Spielrunden. Zusätzlich zu den Siegpunkten, die während des Spiels gesammelt werden, erhalten wir Punkte für Aktionskarten, Kaiserkarten, Flussfahrt, Teestudien, Kaiserleiste, Teeschalenproduktion und nicht verwendete Schriftrollen und Kaisermarker. Die Person mit den meisten Punkten gewinnt "Tea Garden".
"Tea Garden" ist ein Kennerspiel des talentierten Tomáš Holek, der für die größten tschechischen Verlage seiner Heimat arbeitet. Sicher habt ihr schon von seinen anderen Titeln "SETI" und "Galileo Galilei" gehört, die ebenfalls 2024 veröffentlicht wurden. Aber heute haben wir "Tea Garden" auf dem Tisch. Also schnell einen Earl Grey aufgesetzt und los geht's.
Das Regelwerk "Tea Garden" erstreckt sich über 12 Seiten im DIN A4 Format. Ein Glossar und eine ausführliche Symbolerklärung runden das Regelwerk ab. Dem Spiel liegt sowohl ein deutsches als auch ein englisches Regelwerk bei. Abgesehen vom Regelwerk sind jedoch alle Spielkomponenten sprachneutral. Spielhilfen mit einer kurzen Zusammenfassung des Spielablaufs erleichtern den Einstieg in das Spiel.
Die Spielkarten und die Spielertableaus haben eine angemessene Kartonstärke. Die Marker für die Pagoden und die Arbeiter sehen sehr schön aus und sind sogar bedruckt. "Tea Garden" hat einen eigenen wunderschönen Illustrationsstil und die Symbolsprache ist eindeutig. Das ganze Spiel hat einfach eine tolle Tischpräsenz und auch das Cover gefällt mir sehr gut.

Die Schlüsselelemente des Spiels sind Deck-Building und Worker-Placement, aber der faszinierendste Teil ist wahrscheinlich das Ressourcenmanagement mit den Teeblättern. Besonders gefallen hat mir auch die Strategievielfalt, die Tea Garden bietet. Bei diesem Spiel gibt es nicht die eine Strategie, die allen anderen überlegen ist. Flexibilität ist das Stichwort. Durch die Karten, die wir kaufen können, müssen wir unsere Strategie oft anpassen. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich nicht weiterkomme. Es gibt immer Aktionen, die es sich zu spielen lohnt. Auch die Entscheidung, ob eine vierte Aktion sein muss, ist spannend.
Das klassische Deckbuilding-Prinzip, neue starke Karten zu kaufen und das Deck von überflüssigen Karten zu befreien, funktioniert sehr gut, zumal die neuen Karten direkt auf die Hand wandern. Nicht gespielte Karten werden in die nächste Runde mitgenommen. Es werden immer vier Karten nachgezogen. So können wir uns Karten für eine starke nächste Runde aufsparen.
Ich finde den Fermentationsprozess mechanisch und thematisch sehr gut. Unfermentierter Tee verliert an Qualität und fermentierter Tee wird besser - ganz einfach gelöst.
Obwohl ich ein Rezensionsexemplar bewerte, möchte ich auf das Preis-Leistungs-Verhältnis eingehen. Das Spiel kostet ungefähr 45 Euro. Ich finde den Preis für das Spiel absolut fair.
Durch die Vielzahl der Möglichkeiten in der Aktionsphase gerät man schnell in die bekannte Analyse-Paralyse-Falle. Das geht im Spiel zu zweit noch in Ordnung, kann aber in Maximalbesetzung ausarten und leicht zu über 120 Minuten Spielzeit führen. Finde ich eigentlich etwas zu lang.

Die Interaktion zwischen den Parteien ist eher indirekt. Wir schnappen uns Regionen und Karten vor den anderen Spielern. Aber wir sabotieren die Gärten nicht in Form von Nimm-das-Aktionen. Im Spiel zu viert ist "Tea Garden" sicher am dynamischsten, da mehr Personen Karten kaufen und Regionen besetzen. Zu zweit spielt es sich eher solitär. Oft gibt es bei Spielen Anpassungen des Spielaufbaus in Abhängigkeit von der Spielerzahl. Das ist hier nicht der Fall. Eine Designentscheidung, die ich nicht ganz nachvollziehen kann.
Ich habe jetzt mehr als zehn Runden "Tea Garden" gespielt und es macht mir immer noch Spaß. Ich kann das Spiel jedem empfehlen, der gute Eurogames mit schön ineinandergreifenden Mechanismen mag. Es ist sicher auch ein gutes Spiel für den Schritt vom Familienspiel zum Kennerspiel.

Welche Erfahrungen hast du mit diesem Spiel gemacht
oder hast du noch Fragen zu diesem oder anderen Spielen?
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Bilder zum Spiel
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